Das verschlossene Herz

Unfreiheit

 

Sehnsucht erfüllt mein Leben. Nach Erfüllung, Glück und Freude. Und Freiheit. Vor allem Freiheit. Folge der Freude, folge deinem Herzen, heißt es immer. Bisher konnte ich die Frage, was mir wirklich aus tiefstem Herzen Freude bereitet, nicht beantworten. Was war es, das mein Herz zum singen brachte? Ich wusste es nie. Und weiß es bis heute nicht. Doch kenne ich nun den Grund dafür.

Ich hatte in meinem Leben schon einige Therapien, Coachings und Heilmethoden ausprobiert. Nichts schien zu funktionieren. Immer blieb diese Leere und Orientierungslosigkeit. Wenngleich ich auch auf subtile Weise immer spüre, dass da noch etwas ist, was auf mich wartet. Ein ganz anderes Leben. Eins, was ich mir von Herzen wünsche. Aber was wünscht sich mein Herz?

Fühlen? Wie geht das?

Ich bin sehr kopflastig und habe große Schwierigkeiten, wenn es darum geht, zu fühlen. Und auch, wenn es darum geht, zu wissen, was ich wirklich will. Und wie sich das anfühlen würde, es zu erreichen. Irgendwann einmal muss ich wohl beschlossen haben, das mit dem Fühlen lieber sein zu lassen.

Mein Leben erscheint mir oft sehr leer und langweilig. Ich habe nicht das Gefühl, wirklich zu LEBEN. Es fühlt sich wie irgendein Leben an, aber nicht, wie mein eigenes. Vor allem beruflich zeigt sich die Unzufriedenheit immer wieder und immer stärker. Ich fühle mich gefangen in meinem Angestellen-Dasein. Etwas in mir möchte frei sein. Selbstständig. Unabhängig. Sich voll und ganz entfalten können.

Doch da sind Selbstzweifel. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Das Gefühl, nichts besonderes zu können, nichts besonderes zu wissen. Was kann ich schon geben, das anderen eine Hilfe wäre? Habe ich bisher etwas großes geleistet? Würde ich es jemals schaffen, genug Geld zu verdienen, um davon leben zu können, nur von meiner eigenen Arbeit? Und wäre das Gefühl, sich gefangen zu fühlen, dann wirklich verschwunden?

Wie innen so außen

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das Gefängnis, in dem ich zu sitzen glaube, kein äußeres ist. Das Außen spiegelt nur meine innere Welt. Im Außen zeigt sich nur eine Projektion meiner inneren Gedanken und Glaubensmuster. Und ich würde dieses innere Gefängnis überall mithin nehmen. Egal, wie die Lebensumstände wären. Immer wäre da ein Gefühl von Unfreiheit.

All diese Gedanken brachten mich (mal wieder) in die Situation, entscheiden zu müssen, ob ich meinen Job in Festanstellung aufgeben sollte oder nicht. Zumindest für eine Auszeit. Denn leben kann ich von meinem eigenen Business noch lange nicht. Doch die Widerstände und die Unzufriedenheit in meinem Job kann ich kaum noch ertragen. Vor allem die Ungewissheit, wie lange ich das noch durchhalten muss.

Ein neuer Versuch

So nahm ich eine CoachingSession bei Suzanne Frankenfeld in Anspruch. Ich folgte ihr schon eine Weile und sie schien ähnliche Themen zu haben, wie ich. Ich hatte ein gutes Gefühl, dass es mir helfen würde, eine gute Entscheidung zu treffen, die sich richtig anfühlte. Doch, es kam ganz anders.

Ich erzählte ihr von meiner Situation und es dauerte einige Zeit, bis wirklich klar wurde, worum es eigentlich geht. In der Tiefe. Denn, um die Frage „kündigen oder nicht“ ging es nicht. Die entscheidende Frage war „Wie fühlt es sich an, wenn du dir vorstellst, zu kündigen, um dich um dein Business zu kümmern?“ Und ich antwortete nur rational und sprach über Ängst und für und wieder. Suzanne griff das auf und machte mich darauf aufmerksam, dass ich nicht über Gefühle gesprochen hatte. Und sie grub tiefer in diese Richtung.

Es führt kein Weg daran vorbei…

Wir landetet in meiner Kindheit. In einer Situation, in der ich möglicherweise so viel Schmerz erfahren habe, dass ich beschloss, meine Gefühle weg zu sperren. Wenn ich heute daran denke, empfinde ich das als nicht so schlimm und ich erinnere mich absolut nicht an meine kindlichen Gefühle dazu. Vielleicht war es auch eine noch frühere Situation, jedoch sind meine Kindheitserinnerungen sehr rar.

Zwischendurch dachte ich „Warum sind wir jetzt wieder in meiner Kindheit? Ich wollte doch nur wissen, was ich jetzt beruflich machen soll!“

Auch Suzanne sagte mir, dass kein Weg daran vorbeiführen wird, sich damit auseinander zu setzen und irgendwann, diese Gefühle zuzulassen und zu befreien. Ich habe dagegen starke Widerstände und bisher bin ich nie tief genug dorthin gekommen.

Innere Reise

Wir machten eine Meditation. Während dieser inneren Reise tauchte ein Käfig auf. In diesem Käfig saß ein Kind. Ich öffnete den Käfig und wollte es heraus lassen. Zunächst hatte es zu viel Misstrauen, aber ich schaffte es, dass es heraus kam. Wir umarmten uns. Es gab noch ein anderes Kind in dieser Meditation, dass etwas größer war. Ich hatte zu Beginn Angst, auf dieses Kind zuzugehen. Jedoch am Ende, nahm ich auch dieses Kind in den Arm und wir drei umarmten uns gemeinsam. Es war eine sehr intensive Session und ich war danach richtig geschafft.

Meine Ursprungsfrage hatte sich dadurch zwar nicht geklärt und ich weiß nun immer noch nicht, wie ich mich entscheiden soll. Jedoch war es viel wichtiger, dass Problem in der Tiefe zu erkennen, welches darunter verbogen liegt.

Erkenntnisse

Im Anschluss schrieb ich alles in mein Notizbuch. Und ein Satz war dabei besonders wichtig. Diesen Satz wollte ich eigentlich etwas anders formulieren, aber meine Hand schrieb:

„Es gibt Zusammenhänge zwischen dem Bild mit dem Käfig und dem heutigen Gefühl, gefangen zu sein. Und die Widerständen haben mit dem Einsperren des Herzens zu tun.“

Ich hatte sofort den Eindruck, dass das, was in mir eingesperrt ist, eben die ganze Zeit mein Herz ist. Ich habe das Herz weg gesperrt. Mir war das vorher nicht so klar. Natürlich wusste ich, dass ich Gefühle unterdrücke und dort etwas vergraben liegt. Aber dieses Bild mit dem eingesperrten Herzen macht für mich so viel Sinn.

Das Gefängnis ist in mir. Der Widerstand und die Unfreiheit – es ist in mir.

Mein Herz ist mein Zentrum. Mein Herz ist mein Kompass. Mein Herz ist die Basis der Gefühle.

Wenn es eingesperrt ist, kann niemals Freiheit da sein. Wenn es eingesperrt ist, kann das Leben nicht in der Tiefe erfahren werden. Wenn es eingesperrt ist, habe ich keinen Zugang, zu meinen tiefsten Wünschen. Wenn es eingesperrt ist, finde ich den Weg nicht.

Mein Herz sitzt in einem Käfig. Und das ist die Ursache für die fehlende Freude. Wie kann ein Herz singen, in einem Käfig?

Ich erlaube mir nicht, es frei zu lassen. Ich erlaube mir nicht, offen und liebevoll zu sein. Zu mir und zu anderen. Ich erlaube mir nicht, auf andere Menschen zuzugehen. Ich erlaube mir keine tiefen Freundschaften und Beziehungen. Ich erlaube mir nicht, mich wirklich zu zeigen, so wie ich in Wahrheit bin.

Denn da ist diese tiefsitzenden Urangst, vor Verlust und Schmerz.

Folge der Freude, bedeutet: Folge dem Herzen. Doch mein Herz ist nicht frei und so folge ich ihm, in sein Gefängnis, welches ich selbst gebaut habe.

Das Herz will frei sein. Und es ist an der Zeit, die Tür zu öffnen…

 

*BeitragsFoto von Gnist Design von Pixels

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*