Das einfache Leben – es sind die kleinen Momente

das einfache leben

Gerade sitze ich auf meinem kleinen Balkon, blicke in den blauen Himmel, beobachte die vorbeiziehenden Wolken und die Baumkronen, die sich im Wind hin und her wiegen. Ich lausche dem Rascheln der Blätter und dem Gesang der Vögel. Ab und zu höre ich ein Auto vorbeifahren. Meine Katze Lilly putzt sich in aller Seelenruhe in einer schattigen Ecke des Balkons und Kater Tom hat es sich auf seinem Kissen unter dem Liegestuhl bequem gemacht. Ich schlürfe meinen Kräutertee, genieße diesen ruhigen, friedlichen Moment und bin dabei einfach nur zufrieden.

Mein Leben gestaltet sich eher einfach und auf den ersten Blick mit wenig Abwechslung. Manchmal frage ich mich, ob ich nicht mal raus müsste, mal wieder verreisen oder öfter weg fahren. Aber eigentlich habe ich hier alles was ich brauche, direkt vor meiner Nase.

Ich mache mich fertig für den Weg zur Arbeit und Lilly wartet schon an der Tür, weil sie mit runter möchte. Ich nehme sie mit nach draußen und wir gehen zusammen noch eine kleine Runde spazieren, setzen uns ein paar Minuten auf die Wiese hinter der Siedlung und schauen gemeinsam in die Ferne, beobachten und genießen. Sie liebt es, durchs Gras zu schleichen und nach Insekten zu jagen. Und ich liebe es, sie dabei zu beobachten. Und wenn sie sich dann neben mir nieder lässt, sich an mich kuschelt und ganz offensichtlich einfach nur glücklich ist, bin ich es auch. Im Oktober fing ich an, mit ihr spazieren zu gehen, ohne Leine, sie folgt mir einfach, weil sie wohl gern mit mir unterwegs ist. Es ist zu goldig. Und ich freu mich jedes Mal darüber, wie sie neben mir herläuft oder auf mich wartet, wenn sie im Kurzsprint voraus gelaufen ist.

Meinen Arbeitsweg gestalte ich so, dass ich etwa 10 Minuten mit dem Auto fahre und dann noch einen zwanzigminütigen Spaziergang durch den wunderschönen Schweriner Schlossgarten und die idyllische Innenstadt mache. Der Schlossgarten liegt malerisch direkt am Schweriner See. Manchmal mach ich dort noch ein Päuschen, setze mich auf einen Stein und halte meine Füße ins kühle Wasser. Dann schließe ich die Augen, spüre, wie ich eins werde, mit dem Wasser, mit dem Stein unter mir, wie ich verbunden bin, mit allem um mich herum. Ich öffne die Augen, blicke auf den See. Morgens ist die Stimmung unglaublich friedlich und ruhig. Es ist jedes mal faszinierend.

Gegenüber auf der anderen Seite fällt mir seit einigen Tagen der Rasensprenger auf, und ich hätte eigentlich Lust, da einmal durchzulaufen. Da ruft wohl das innere Kind in mir. Allerdings hätte ich dann einen kleinen Umweg machen müssen und dazu konnte ich mich nicht recht aufraffen. Zu meiner Überraschung steht an diesem Tag aber auch ein Rasensprenger direkt an meinem üblichen Weg. Und es war wie ein kleines Geschenk. Als mich die Wassertropfen kurz berührten, war da wieder dieses Glücksgefühl und ich grinste über das ganze Gesicht.

Weil es so schön warm ist, setze ich meinen Weg durch die Stadt barfuss fort. Wie angenehm, den warmen Boden unter meinen Füßen zu spüren. Barfuss laufen vermittelt mir ein wohliges Gefühl der Leichtigkeit und verbindet mich viel besser mit Mutter Erde. Ich wundere mich immer darüber, dass das sonst niemand tut.

Wie schön das Leben sein kann. Und das, obwohl gar nichts aufregendes geschehen war. Je bewusster ich werde, umso mehr kann ich die kleinen Momente genießen. Je öfter ich verstehe, dass ich alles aus mir heraus erschaffe und meine Umwelt ein Produkt meiner eigenen Vorstellungskraft ist, umso mehr kann ich das Wunder in allem erkennen.