Gedankenspiele

Das Märchen vom perfekten Traumprinzen

Wie viele Frösche muss Frau küssen, bis es ein Prinz wird?

Vor kurzem erhielt ich beim Kartenlegen die Frage “Wann denn endlich der richtige kommt, der mich glücklich macht?” Eine Frage, die ich eigentlich mit “vermutlich niemals” beantworten könnte. Warum?

Naja es wird nunmal nicht so laufen, dass da jemand angeritten  kommt auf seinem weißen Pferd und uns mitnimmt auf sein Schloss, wo wir dann für immer glücklich und zufrieden leben. Vielleicht gibt es Ausnahmen, aber die Realität sieht doch meist anders aus.

Märchen, Filme und die Realität

Wenn wir von klein auf mit den Märchen von Prinz und Prinzessin aufwachsen, dann verankert sich das natürlich. Und nicht selten sind ja auch Liebesfilme genau so aufgebaut. (Traum)Mann begegnet (Traum)Frau, sie verlieben sich früher oder später, nach mehr oder weniger vielen Missverständnissen und Abeneteuern und am Ende gibt es in der Regel ein Happy End.

Und dann haben wir das unbewusst im Kopf. Den Traum von diesem einen Traumpartner. Der eine, bei dem alles passt. Mit dem alles schön und leicht ist. Eine magische Anziehung – sich blind verstehen – für immer glücklich sein. Es heißt, es gibt für jeden Topf den passenden Deckel. Nur einen? Gibt es wirklich nur einen einzigen Partner, den perfekten, den ich finden muss? Ist das das Ziel? Oder hat nicht jeder Partner, auch die “unperfekten”, seine Daseinsberechtigung? Auch wenn die Beziehungen voll Drama sind und irgendwann in die Brüche gehen… Vielleicht treten manche Menschen nun einmal nur vorübergehend in unser Leben und es war nie vorgesehen, dass es ein “für immer” wird.

Und vielleicht geht es bei dem ganzen Beziehungsding ja auch um ganz andere Dinge. Nämlich gar nicht darum, dass alles perfekt ist. Und auch nicht darum, dass alles immer leicht ist. Das wäre ja auch langweilig.

Beziehungen sind Spiegel

Beziehungen sind unsere größten Wachstumschancen. Und unsere ehrlichsten Spiegel für unsere Schattenthemen. Es wird in jeder Beziehung Konflikte geben. An jedem Partner wird uns früher oder später etwas auffallen, dass wir gar nicht so perfekt finden und das wir uns anders wünschen würden. Und genau da müssen wir hingucken – aber nicht bei dem Partner, sondern bei uns. Warum?

Weil genau die Dinge, die uns am anderen so richtig nerven oder ärgern, die Dinge sind, die wir auch an uns selbst nicht akzeptieren. Es sind diese Eigenschaften oder Handlungsweisen, die wir uns selbst nicht erlauben, die wir nicht leben wollen, die wir nicht haben wollen. Aber sie sind da und sie gehören zu uns. Und sie wollen raus. Somit steckt in jeder Beziehung für uns etwas wertvolles, eine Chance, wieder mehr über uns selbst zu lernen und wieder ein paar Punkte mehr an uns selbst zu akzeptieren und zu tolerieren und einfach da sein zu lassen.

Selbstliebe ist der wichtigste Schlüssel

Wenn wir das dann auch tun, führt es dazu, dass wir zu uns selbst eine immer bessere Beziehung aufbauen. Je mehr wir alles an uns so akzeptieren, wie es ist, desto mehr können wir das auch bei den anderen. Je mehr wir uns selbst lernen wertzuschätzen, anstatt zu kritisieren, desto mehr tun wir das bei den anderen. Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest. Von diesem Buchtitel hat sicher fast jeder schon gehört.

So ganz egal ist es wohl trotzdem nicht 😉 aber es bedeutet in etwa, wenn man sich selbst liebt und akzeptiert, dann zieht man auch jemanden an, der das gleiche tut. Und wenn da zwei aufeinander treffen, die mit sich selbst im Reinen sind und die auch mit sich allein glücklich sein können, dann ist es eine ganz andere Art der Beziehung. Weil sie den anderen nicht BRAUCHEN, damit der ein inneres Loch stopfen, den eigenen Selbstwert erhöhen, oder nicht erfüllte Bedürfnisse aus der Kindheit stillen muss.

Los, mach mich glücklich!

Wie eingangs erwähnt: Der andere soll mich bitte glücklich machen! Auch das wird uns unbewusst eingetrichtert und wir werden darauf konditioniert, dass wir uns unvollständig fühlen, ohne einen Partner an unserer Seite. Allein ist man weniger wert. Allein kann man nicht glücklich sein. Doch Beziehungen, die nicht auf echter (bedingungsloser) Liebe aufbauen, sondern auf Mangel, weil wir erwarten vom Partner etwas zu bekommen, das uns fehlt, gehen oft früher oder später in die Brüche, da der andere einfach nicht in der Lage ist, ständig die fremden Bedürfnisse zu erfüllen.

Das Ziel sollte also sein, sich selbst zu genügen. Damit ist nicht gemeint, dass man für immer und ewig als Einsiedler leben lernt. Denn Menschen brauchen Beziehungen. Doch brauche ich das Bewusstsein dafür, dass ich allein dafür verantwortlich bin, wie ich mich fühle und wie ich zB auf Umstände und Dinge reagiere. Niemand anders ist dafür zuständig, dass ich glücklich bin. Kein anderer kann das für mich erledigen. Natürlich ist zu zweit einiges schöner und frisch verliebt zu sein, hebt die Stimmung wie nichts anderes an. Aber was dann später passiert ist, dass man das weiterhin erwartet. Der andere soll irgendwie dafür sorgen, dass ich glücklich bin und bleibe. Er soll nichts tun, was mir nicht gefällt, er soll nichts tun oder sagen, was mir schlechte Laune macht und er soll mich nicht verlassen.

Wie hoch ist dein Selbstwert?

Hier kommen dann jetzt auch Ängste mit ins Spiel: Die Angst verlassen zu werden – die Angst, das Glück gleich wieder zu verlieren – die Angst, nicht gut genug zu sein und leicht ersetzt werden zu können.

Was wiederum dazu führt, dass man anfängt zu klammern und eifersüchtig ist – und damit genau das erreicht, was man verhindern wollte: den anderen zu verlieren. Diese Ängste sind Resultat eines geringen Selbstwertgefühls. Bin ich mir meines Wertes bewusst und weiß, dass ich ein toller Mensch bin, unabhängig von meinem Beziehungsstatus, dann habe ich keine Angst, den anderen zu verlieren. Ich brauche den anderen nicht, um zu beweisen, dass ich liebenswert bin – ich weiß das selber und brauche keine Beweise von außen. Das hat auch nichts mit eingebildet sein zu tun. Es geht hier darum, den eigenen Wert zu kennen und zu wissen, dass man vollständig ist, auch ohne Partner.

Ich glaube den einen richtigen Partner fürs Leben gibt es nicht. Auch nicht, dass man für immer zusammen bleiben muss. Wir begegnen Menschen, die uns mehr oder weniger lang auf unserem Weg begleiten und ziehen dabei immer genau die Partner an, die jetzt gerade richtig sind und uns vor Aufgaben stellen, die jetzt gelöst werden wollen. Wir haben immer genau den richtigen Partner an unserer Seite, der uns an bestimmte Themen heranbringt, mit denen wir uns befassen sollten. Und wenn da gerade weit und breit kein potenzieller Partner in Sicht ist, dann ist es die perfekte Zeit, um sich mit dem eigenen Wert zu beschäftigen und zu lernen, auch allein vollständig zu sein – damit dann ein Partner für eine ganz neue Beziehungsebene angezogen werden kann, auf der noch mehr (gemeinsames) Wachstum möglich ist und die Erfahrung einer Beziehung, die auf Liebe beruht und nicht auf Mangel und Angst.