ausgesperrt
Aus meinem Leben

Ausgesperrt – und plötzlich kam ich nicht mehr rein

Die Zeit blieb für einen Moment stehen, nachdem ich das Vorhängeschloss an meiner Kellertür verriegelt hatte. Der Wohnungsschlüssel! Der ist noch im Kellerraum. Nee, oder? Das darf doch nicht wahr sein. Oben ist der Ofen an, ich wollte ja nur kurz runter gehen. Natürlich. Wenn schon, denn schon. Das Schloss anstarren und an der Tür rütteln bringt jedenfalls nichts. Aber vielleicht kann ich das Schloss abschrauben… Ich laufe durchs Haus und klingel an allen Türen. Niemand da. Natürlich. Es ist Freitag Mittag. Alle sind arbeiten. Plötzlich öffnet sich doch die Tür meiner Nachbarin. Gott sei Dank! Sie hat auch Schraubenzieher da und drückt mir welche in die Hand.

Ich laufe wieder runter und mache mich ans Werk. Nachdem alle vier Schrauben am Boden liegen, stelle ich fest: Das hat gar nix gebracht. Geht nicht ab! Da ist ja noch eine Schraube, an die ich nicht ran komme. Ich versuche mit dem Schraubenzieher dennoch diese Tür aufzubrechen – aber leider habe ich sowas nie gelernt und scheitere kläglich.

Also wieder hoch. “Kannst du das mit den Kreditkarten, Türen aufmachen?” frage ich meine Nachbarin. So könnte ich wenigstens erstmal in die Wohnung. Hat sie leider auch nie gelernt. Man wird in der Schule einfach nicht auf die wichtigen Dinge im Leben vorbereitet. Ich versuche es mit dem Führerschein. Klappt nicht. “Tja, dann bleibt wohl nur der Schlüsseldienst…” stelle ich fest.

“Oder du fragst drüben in den Häusern nach einem Handwerker. Guck mal, da auf dem Dach ist doch schon einer. Vielleicht kann der das Schloss aufmachen…”

Hm, ok. Ich stürme die Treppen hinunter und laufe rüber zu dem Mann auf dem Dach. Nachdem ich mein Missgeschick erklärt habe, zögert er keine Sekunde und ist bereit, mir zu helfen. Der Retter in der Not. Ein wahrer Held. Er packt passendes Werkzeug zusammen und folgt mir unauffällig.

Nach 5 Sekunden ist mein Vorhängeschloss zersägt, die Tür auf und der Schlüssel nach kurzer Suche wieder bei mir. Ich habe ihn nämlich auch wirklich so hingelegt, dass ich ihn unmöglich beim raus gehen hätte sehen können.

Warum erzähle ich diese vielleicht banale Alltagssituation?

In solchen Momenten stelle ich zwischendurch immer ein bisschen verwundert fest, dass ich innerlich ziemlich ruhig bin und etwas in mir weiß, dass kein Grund zur Panik besteht und sich schon eine Lösung finden wird. Solche Schreckmomente holen einen sofort wieder ins Hier und Jetzt. Ich bin nämlich jemand, der ständig mit den Gedanken überall und nirgends ist. Ich kann mich kaum auf einen Augenblick voll und ganz konzentrieren, nicht gut zuhören und mir nicht viel merken. Nicht mal Dinge, die ich selbst gesagt habe. Aber in einer Notsituation bin ich zumindest ganz da und es geht in meinem Kopf nur noch darum, JETZT eine Lösung für DIESES Problem zu finden. Es ist egal, was gestern war oder morgen sein wird.

Außerdem hat es mich wieder gelehrt, dass für mich gesorgt ist. Was ich wirklich brauche, kommt im richtigen Moment zu mir oder sitzt bereits auf dem Dach.

Vielleicht hilft uns das Leben mit solchen Momenten aus dem Gedankenkarussell aufzuwachen und will sagen: “Hey, pass auf, DAS hier ist wichtig (nämlich, dass du immer weißt, wo deine Schlüssel sind) und nicht das, worüber du dir ständig den Kopf zerbrichst… Ich bin bei dir und auf deiner Seite, es gibt keinen Grund, sich zu sorgen.”

In diesem Sinne wünsche ich euch ein Wochenende ganz ohne Schreckmomente

eure Christin